Chapter Text
I’ll be there keeping you warm
Kapitel 1
Seufzend lehnte sich Ina in ihrem Sofa zurück.
Eine Decke um ihre Beine geschlungen und ein Glas Rotwein in der Hand.
Sie dehnte sich kurz den Nacken und kuschelte sich dann noch tiefer in den Pullover, den sie gerade trug. Unweigerlich sog sie damit auch seinen Geruch ein. Natürlich trug sie seinen Pullover.
Wie in einem kitschigen Liebesroman. Sie musste kurz lachen, war ihre Geschichte doch alles andere als ein kitschiger Liebesroman und zeitgleich doch irgendwie romantisch. Ein sanftes Lächeln blieb auf ihren Lippen, wenn sie zurück dachte, an alles, was sie in den letzten Monaten erlebt hatten.
Letztes Weihnachten beispielsweise, was sie trotz schwieriger Umstände näher zueinander gebracht hatte, als sie es jemals hätte nochmal glauben können.
Flashback
“Bisschen kommt das hier einem traditionellen Weihnachtsfest doch ähnlich.” Murmelte Jan, während er gemeinsam mit Ina die Überreste des gemeinsamen Heiligabend in der Direktion beseitigte.
Ina musste lachen, “Indisches Essen mit meinen Lieblingskollegen in der Polizeidirektion? Weiß ich jetzt nicht, wie traditionell ich das Ganze finde.”
“Na komm, es gab auch Rotkohl und Klöße. Und es war deine Idee hier zu bleiben. Ich hab gesagt, wir verlegen das in deine Wohnung. Aber ich meinte jetzt eher, wir räumen auf, während Kim und Moritz schon auf dem Weg nach Hause sind. Hat ein bisschen was von, Mutti und Vati räumen auf, während die Kinder im Bett sind.” Der Oberkommissar grinste, während er einen Schluck aus dem Rotweinglas nahm.
“Wenn Moritz und Kim die Kinder sind, was waren denn dann Sabine und Rettich, die reiche Tante und ihr sonderbarer Sohn?” Der Gedanke lies Ina laut auflachen.
Ganz Unrecht hatte Jan ja nicht.
Vor Lachen prustete der fast den guten Rotwein wieder aus.
Grinsend räumten sie dann Besteck, Teller und alles andere gemeinsam wieder in die Teeküche.
“Na sieht doch alles wieder ordentlich aus.” Jan nahm einen letzten Schluck aus seinem Glas, während er in den Konferenzraum blickte. Keine Spur mehr von ihrem gemütlichen Beisammensein. Er reichte Ina ihr halb volles Rotweinglas.
“Danke.” Als sie ihm das Glas abnahm berührten sich ihre Finger kurz.
Einen Moment länger als nötig hielten beide das Glas fest und sahen sich kurz in die Augen. Jan wusste, dass das Danke mehr bedeutete als nur die Dankbarkeit, ihr das Glas gereicht zu haben.
“Ich danke dir. Du hast uns alle vor einem einsamen Weihnachten allein gerettet und mich vor lauwarmer Lasagne.” Er konnte nicht anders, als einen Arm um seine Kollegin zu legen und ihr einen sanften Kuss auf die Wange zu hauchen. Sie hatte ihn wahrhaftig vor einem sehr traurigen und einsamen Abend gerettet. Zum zweiten Mal in zwei Tagen.
“Das hat mich ja auch gerettet. Vermutlich hätte ich mir sonst indisches Essen nach Hause bestellt und bei einem Weihnachtsfilm Trübsal geblasen, während mein Sohn fröhlich in Australien surft.” Sie lehnte sich kurz an ihn.
Beide schauten in den Konferenzraum, als gäbe es was besonders spannendes dort zu sehen. Beide zögerten den Moment hinaus, indem sie in ihre leeren Wohnungen fahren würden. Oder doch eher ein Taxi nahmen.
“Ist dir eigentlich bewusst, dass du uns enttarnt hast?” Der Oberkommissar wusste nicht, warum er es ausgerechnet jetzt ansprach. Es war ihm auch nicht einmal wichtig, ob ihre Kollegen jetzt ahnten, dass er und Ina schonmal miteinander geschlafen hatten oder nicht.
“Ich würde mal sagen, final enttarnt hast du uns. Ich hab nur einen unbedachten Satz gesagt.” Ina grinste. Wohl wissend, dass sie Moritz erst auf diese Fährte gebracht hatte. Unbeabsichtigt.
“Das ist mir so rausgerutscht, wie es dir rausgerutscht ist würde ich mal sagen. War aber auch eine schlau gestellte Frage von ihm.” Jan konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. Ja da hatte Moritz ihnen wohl eine kleine Falle gestellt, mit der Frage nach Inas Tattoo.
“Ja, clever ist er, das muss man ihm schon lassen. Ist es denn schlimm für dich? Ich meine, das die Beiden wissen, dass wir mal. Also sie wissen es ja nicht wirklich, aber sie werden es sich denken können.” Ina drehte sich etwas aus Jans Umarmung und sah ihn fragend an.
“Ach eigentlich finde ich den Gedanken schon fast amüsant, wie die Beiden zuhause sitzen und sich fragen, wann und wie. Und ob das wohl immer noch läuft.” Grinsend imitierte Jan Kim, wie er sich vorstellte, wie sie mit Moritz darüber rätselte.
“Kim hat schon vor Jahren mal festgestellt, dass wir uns wohl ziemlich gut kennen.” Ina grinste erleichtert. Nicht dass sie geglaubt hätte, dass Jan darüber böse gewesen wäre, aber zu wissen, dass es ihn genauso wenig störte, wie sie selbst war doch gut.
“Ich glaube nicht, dass sie geahnt hätte wie gut.” Kam es trocken von Jan. Und er konnte nicht erklären was es war, was ihn dazu leitete, Ina die Haarsträhne wieder hinters Ohr zu streichen, die nach vorne gefallen war und ihr dann sanft über die Wange zu streichen.
Ina konnte nichts antworten, sie sah ihm einfach nur so tief in die Augen, wie er sie ansah. Wohl wissend, dass es nur wenige Sekunden dauern würde, bis sie sich auf gefährliches Terrain begeben würden.
Es vergingen einige Momente, in denen die Beiden sich einfach nur gegenüberstanden und ansahen.
Jans Hand lag sanft in Inas Nacken, während Ina vor ihm stand und ihr Weinglas in der Hand hielt. Ihre blauen Augen konnten sich nicht von Jans lösen.
